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Leitbild der Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein

1. Wer wir sind

  • Die Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein e.V. ist eine Bildungsstätte der Sozialistischen Jugend Deutschlands - Die Falken. Unsere Bildungsarbeit ist aus den pädagogischen Erfahrungen der Falkenbewegung gewachsen. Kurt Löwenstein engagierte sich als Neuköllner Stadtschulrat und Vorsitzender der "Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde" in der Weimarer Republik für Kinderrechte und eine grundlegende Schulreform.
  • Unsere Angebote der außerschulischen politischen Bildung richten sich an Jugendliche und junge Erwachsene, vor allem aus Berlin und Brandenburg und aus ganz Europa. Wir veranstalten Fortbildungen für MultiplikatorInnen der Jugend(bildungs)arbeit und für Jugendverbandsaktive. Als Ort der Begegnung ermöglichen wir Einblicke in andere Lebenswelten und das Erleben von Gemeinsamkeiten.
  • Wir wollen mit unseren Angeboten ganz gezielt auch bildungsbenachteiligte junge Menschen erreichen, die sonst häufig auch von Angeboten der außerschulischen Bildung ausgegrenzt sind. Daneben wollen wir engagierte Jugendliche wie z.B. Aktive in Jugendverbänden, SchülerInnenvertreterInnen, AuszubildendenvertreterInnen, Klubräte etc. in ihrer Arbeit und in ihrem Engagement unterstützen.

2. Was wir tun

  • Wir führen Wochenseminare (in aller Regel von Montag bis Freitag) mit SchülerInnen und Auszubildenden durch. Wir veranstalten multilaterale Seminare für Aktive aus Jugendverbänden und Nichtregierungsorganisationen. Wir organisieren bilaterale Begegnungsseminare mit SchülerInnen und Auszubildenden. Wir führen Großveranstaltungen und Seminare in Kooperation mit der Sozialistischen Jugend Deutschlands - Die Falken durch. Wir bieten Fortbildungen und weitere Seminare der außerschulischen Bildung an.

3. Was wir wollen - unsere Ziele und Prämissen

  • Wir verstehen unsere Bildungsarbeit als Teil der Auseinandersetzung für eine Welt, in der Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit herrschen, die ohne Ausbeutung von Menschen durch Menschen funktioniert und in der Herrschaft und Hierarchien abgebaut sind. Das Miteinander ist von umfassender Selbstbestimmung, Respekt, Solidarität, Anerkennung von Differenz und Demokratie als Lebensform bestimmt. Bildung als Grundlage für Mündigkeit und Emanzipation ist eine wichtige Voraussetzung, um die Welt in diesem Sinne zu verändern.
  • Wir wollen die Teilnehmenden zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Wiedersprüchen anregen und befähigen. Dabei soll gesellschaftliche Herrschaft kenntlich und somit durchschaubar gemacht werden.
  • Die teilnehmenden Jugendlichen selbst - ihre Erfahrungen, Interessen, Wünsche und Zukunftsvorstellungen - sind Ausgangspunkt der Bildungsprozesse. Wir unterstützen Jugendliche, ein selbst bestimmtes Leben zu führen und Gesellschaft demokratisch zu gestalten. Gegenwelt wird durch andere Lernformen erfahrbar. Wir fördern demokratische Einstellungen, Verhaltensweisen und Strukturen, die Bereitschaft zum gesellschaftspolitischen Engagement ebenso wie Empathie, Analyse- und Kritikfähigkeit.

4. Welche Ressourcen wir nutzen

  • Der Erfolg unserer Arbeit beruht auf den vielfältigen Fachkompetenzen, der Erfahrung, dem Engagement, der Flexibilität und dem Teamwork unserer MitarbeiterInnen in allen Bereichen der Einrichtung.
  • Alle Bildungsangebote werden von hauptberuflichen BildungsreferentInnen organisiert und gemeinsam mit einem festen Team von HonorarmitarbeiterInnen durchgeführt. Die internationalen Projekte werden von einem Team aus verschiedenen Ländern Europas realisiert. Wir setzen auf große Methodenvielfalt bei der Umsetzung der Projekte, um den verschiedenen Adressaten unserer Arbeit ein adäquates und interessantes Angebot machen zu können.
  • Seit Jahren arbeiten wir sehr erfolgreich mit einem großen Kreis von Kooperationspartnern wie Schulen und Ausbildungsträgern aus Berlin und Brandenburg, verschiedenen Jugendprojekten und Verbänden und internationalen Partnern zusammen. Unterstützung erfahren wir in zahlreichen Netzwerken, denen wir angehören. Als Bundesbildungsstätte der Sozialistischen Jugend Deutschlands - die Falken können wir auf die Erfahrungen und Kompetenzen der internationalen Falken-Bewegung bauen.
  • Wir erhalten von zahlreichen öffentlichen und nicht-öffentlichen Stellen finanzielle Zuwendungen für unsere Bildungsarbeit. Eine besondere Bedeutung hat dabei die Grundfinanzierung durch das Land Berlin.

5. Unser Haus

  • Wir verfügen über ein modernes Tagungshaus mit 110 Betten in einem denkmalgeschützten Gebäude mit interessanter Geschichte, zudem über ein großes Freigelände und eine umfangreiche technische Ausstattung. Dies alles steht auch Gastgruppen für ihre Bildungsveranstaltungen zur Verfügung.
  • Wir liegen im Umland von Berlin, sind mit ÖPNV gut zu erreichen und bieten ein vielfältig nutzbares Haus im Grünen ebenso wie eine schnelle Anbindung an die Metropole.

6. Gelungenes Lernen

Lernen setzt an den Ressourcen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an. Lernen ist ein aktiver Prozess, der vom Individuum selbst bestimmt gestaltet wird. Lernen ist die Auseinandersetzung mit der Umwelt und die Verarbeitung von Erfahrungen und beinhaltet die Aneignung von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie die Weiterentwicklung von Einstellungen und Verhaltensweisen. Lernen ist somit Persönlichkeitsentwicklung. Gelungenes Lernen setzt an den Erfahrungen der Teilnehmenden an, orientiert sich an ihren Möglichkeiten und Wünschen und ermöglicht den Transfer von Erlerntem. Die Teilnehmenden entdecken eigene Interessen, lernen sie zu formulieren, sie öffentlich zu vertreten und Interessenskonflikte auszuhandeln. Der Lernprozess gelingt, wenn neue Fähigkeiten und Fertigkeiten, mehr Wissen und erweiterte Handlungsspielräume im persönlichen und gesellschaftlichen Miteinander erfahrbar werden. Er befähigt die Lernenden, gesellschaftliche Strukturen zu analysieren und für ihr eigenes Leben Verantwortung zu übernehmen, auch über gesellschaftliche Bedingtheit hinaus. Gelungenes Lernen bedeutet für uns somit auch die Entwicklung von Widerstands- und Kritikfähigkeit. Damit Lernen gelingt, bedarf es bestimmter Voraussetzungen und didaktischer Prinzipien, die wir in unseren Seminaren umsetzen:

  • Die prinzipielle Chance auf Offenheit der Teilnehmenden als Grundvoraussetzung des Lernprozesses.
  • Die Gestaltung eines nachhaltigen pädagogischen Prozesses, der verschiedene Ebenen des Lernens einbezieht - ermöglicht durch ein gemeinsames Leben und Arbeiten in der Bildungsstätte mit Übernachtung, Verpflegung, Seminar- und Freizeiträumen sowie diversen Freizeitangeboten.
  • Ein intensives Zusammenarbeiten in Kleingruppen, das soziale und kreative Prozesse in Gang setzt, die für die persönliche und konstruktive Auseinandersetzung zentral sind.
  • Das Empowerment der Teilnehmenden im Sinne der Peer-Education, damit Einsichten und Kenntnisse an andere Jugendliche weiter gegeben werden können und Jugendliche selbst als MultiplikatorInnen tätig werden.
  • Ein produkt- und prozessorientiertes, methodisch vielfältiges Arbeiten, das zusätzliche Reflexionsebenen schafft, das Selbstbewusstsein der Teilnehmenden stärkt und Lernen als grundsätzlich dynamisch und vielfältig gestaltbar begreift.
  • Der Einbezug von (neuen) Medien in die Bildungsarbeit, um durch Medienanalyse und -kritik sowie die kreative Gestaltung Medienkompetenz zeitgemäß zu vermitteln und zu fördern.
  • Ein geschlechtsspezifischer Ansatz, der methodisch unterschiedliche Zugänge ermöglicht, der die verschiedenen Sozialisationserfahrungen von Geschlechtern in der Gesellschaft zum Ausdruck bringt und die Bedeutung von Geschlechtlichkeit in der Entwicklung von Handlungsstrategien berücksichtigt.
  • Eine Mitbestimmung und Beteiligung der Teilnehmenden an der Gestaltung der Lernprozesse, um so Demokratie als Lebensform erfahrbar zu machen.
  • Ein dialogisches Lernen zwischen Teilnehmenden und Lehrenden, das die konkrete Person sichtbar werden lässt.
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