„Station Diversität“ für den Deutsch-Polnischen Jugendpreis

19.11.2018 | 

Junge Menschen aus Berlin und Krakau sind im Sommer und Herbst 2018 bei einer Jugendbegegnung zusammengekommen, haben sich mit Geschichte und Gegenwart auseinander gesetzt und zwei Videos entwickelt, mit denen sie sich um den Deutsch-Polnischen Jugendpreis bewerben.

Gruppenbild bei der deutsch-polnischen Jugendbegegnung 2018 "Station Diversität"

Zwei intensive Wochen voller Begegnung und neuer Impulse – Die jungen Menschen aus Berlin und Krakau, die im Sommer und Herbst 2018 an einer deutsch-polnischen Jugendbegegnung teilgenommen haben, werden sie nicht vergessen.

Es wurde über Vielfalt, Diskriminierung und Ausgrenzung diskutiert und jeweils ein gemeinsames Produkt aller Teilnehmenden erstellt: Unter professioneller Begleitung von Künstler_innen und mit professioneller Ausrüstung wurde in verschiedenen bilingualen Workshops gearbeitet. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen Bühnenbild, Film, Musik und Tanz ergaben am Ende einen tollen Musikclip. Bei der Rückbegegnung entstand aus den Workshops Film, Graffiti, Musik und „soziale Kampagne“ eine Videoperformance.

Das Projekt hat es ins Finale des Deutsch-Polnischen Jugendpreises 2017-2019 geschafft, der vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk (DPJW) vergeben wird, das die Begegnung unterstützt hat. Das diesjährige Motto des Jugendpreises lautet: „Gemeinsam in Europa. Ein Ziel“.

"Lepiej rozmawiać" - Produkt der deutsch-polnischen Jugendbegegnung "Station Diversity" 2018 in Nasutów. - Efekt tygodniowej pracy podczas polsko-niemieckiego spotkania młodzieży "Przystanek Różnorodność - Station Diversität" w Nasutowie 2018.

Zunächst ging es nach Polen: Jugendliche aus Krakau und Berlin trafen sich vom 3. bis 10. Juni 2018 in Nasutów bei Lublin. Dort nahmen die Jugendlichen unter anderem an der „lebendigen Bibliothek“ teil: Sie hatten die Gelegenheit, sich mit einem jüdischen Polen, einem Syrer und einem Ukrainer zu treffen und sich auszutauschen. Sie diskutierten, besuchten das Museum in Majdanek und örtliche Zentren, die sich mit politischer Bildung in einem historischen Kontext befassen. Diese Erfahrungen dienten als Ausgangspunkt für kreative Workshops, aus denen der Musikclip „Lepiej rozmawiać“ entstand, der Impressionen aus der Woche zeigt. Text und Komposition stammen darin ebenso von den Teilnehmenden selbst wie Choreografie und Schnitt.

Deutsch-polnische Jugendbegegnung 2018 "Station Diversität" - Besichtigung der Eastside Gallery Berlin
Besichtigung der Eastside Gallery Berlin

Vom 24. September bis 1. Oktober 2018 fand die Rückbegegnung in der Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein in Werftpfuhl statt. Hier setzten sich die Schüler_innen mit Themen wie Ausgrenzung, Anerkennung und Zivilcourage auseinander, diskutierten und suchten nach Beispielen aus der Geschichte und aus dem eigenen Leben. Zudem gab es viel Zeit für gemeinsame Spiele, Sprachanimationen, Abende am Lagerfeuer und das Entdecken interessanter Ecken von Berlin.

Auch in dieser Woche entstand aus diversen Workshops ein gemeinsames Produkt: die Video-Performance „Begegnungen“. Die Teilnehmenden gestalteten dazu ein Graffiti-Gemälde im Wandelgang der Bildungsstätte, experimentierten mit Licht und Tanz und entwickelten politische Forderungen, die sie über Buttons und Aufkleber und nach außen trugen.

"Spotkania" - Produkt der deutsch-polnischen Jugendbegegnung "Station Diversity" 2018 in Weftpfuhl. - Nagranie finałowego performance zrealizowanego podczas spotkania "Przystanek Różnorodność" w Jugendbildungstaette Kurt Loewenstein, w ramach finału Polsko-Niemieckiej Nagrody Młodzieży 2018.
Deutsch-polnische Jugendbegegnung 2018 "Station Diversität" - Bemalung des Wandelgangs

„Aus Berlin und Krakau ist eine vielfältige Gruppe mit verschiedenen Lebenserfahrungen und Lebenslagen zusammengekommen, die unterschiedliche politische Einstellungen besaß, was intensive Diskussionen in einer offenen und respektvollen Art und Weise ermöglichte“, berichtet Christine Reich, Geschäftsführerin der Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein. Jugendliche, die in zwei unterschiedlichen kulturellen Kontexten leben, haben sich über ihre Alltags-und Schulerfahrungen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten ausgetauscht. Diese bildeten den Ausgangspunkt für Diskussionen über Diskriminierung, Rassismus und Migration - im Hinblick auf die Vergangenheit und aktuelle Ereignisse, die das Zusammenleben direkt betreffen.

Deutsch-polnische Jugendbegegnung 2018 "Station Diversität"

In ihrer selbstständigen und kreativen Interpretation des Begegnungsthemas hätten die Teilnehmenden eine eigene, gemeinsame Sprache gefunden, erklärt Reich weiter. Sie hätten Initiative gezeigt, auch abends weiter an den Produkten gewerkelt und es zu schätzen gewusst, mit Profis und professioneller Ausrüstung zu arbeiten. „Die Präsentation der Ergebnisse war für alle sehr emotional und die gemeinsamen Werke sind für sie bis heute von großer Bedeutung. Wir möchten diese Aktivitäten fortsetzen, obwohl dies eine große organisatorische und finanzielle Herausforderung darstellt“, so Reich.

Auch das Fazit der Teilnehmenden klingt begeistert: „Es war ein anderer Blick auf einige Themen dank der inhaltlichen Workshops. Wir hatten Diskussionen über Themen, über die nicht täglich mit und unter jungen Leuten diskutiert wird, die aber alle bewegen und betreffen. Es war großartig!“ - „Das werde ich nie vergessen. Ich habe Freunde gefunden, und hoffe, dass diese Freundschaften bleiben. Ich habe einige andere Ansichten kennengelernt und meinen Horizont erweitert.“

Wie auch immer das Finale des Deutsch-Polnischen Jugendpreises ausgehen mag – das Projekt hat bereits gewonnen: Im kreativen Prozess wurde aus einzelnen Personen eine tolle Gruppe, in der jede_r einen eigenen Platz hatte.