Interessenvertretung 2.0
Veränderung der (Arbeits-)Gesellschaft in Zeiten der Globalisierung: Dazu bieten wir Seminare für Jugendliche an.
Die Globalisierung der Medienkommunikation vollzieht sich an den meisten bildungsbenachteiligten Jugendlichen vorbei, nur die wenigsten nutzen das Internet und seine Möglichkeiten zur Vernetzung und Kommunikation mit Menschen über den eigenen Freundeskreis hinaus. Wir wollen darum eine Vernetzung von Auszubildenden schaffen, die eine neue Form der kommunikativen Selbstorganisation darstellt und sich in einem Koordinatensystem zwischen virtuell und real sowie global und lokal bewegt.
1. Ziele und Inhalte
Mit dem Projekt Interessenvertretung 2.0. wollen wir es jungen Auszubildenden ermöglichen, sich selbst als Akteure und Betroffene politischer und ökonomischer Prozesse in einer globalisierten Welt zu verstehen. Die gesellschaftliche und persönliche Einflussnahme werden mittels digitaler Medien erkannt und genutzt.
Die Teilnehmenden bringen sich zunächst differenziert in die Diskussion um die Globalisierung ein. Als mündige Bürger/-innen setzen sie sich mit den politischen, ökologischen und sozialen Folgen der ökonomischen Prozesse der Globalisierung auseinander.
Die Jugendlichen lernen die Potenziale der digitalen Medien als ein Mittel der Interessenvertretung, der Partizipation an gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und der Einflussnahme auf demokratische Entscheidungsprozesse kennen. Ziel ist es, eine Vernetzung von Auszubildenden zu schaffen, die eine neue Form der kommunikativen Selbstorganisation darstellt und sich in einem Koordinatensystem zwischen virtuell und real sowie global und lokal bewegt.
Die besondere Affinität von Jugendlichen zu digitalen Medien soll dabei helfen, Interesse an der Nutzung der Möglichkeiten von Medienkommunikation im globalen Kontext zu wecken. Durch das Erproben neuer Formen der Interessenvertretung über Soziale Netzwerke, Blogs, Internetvideos oder Podcasts leisten wir einen Beitrag, die Auszubildenden in ihrem Selbstvertrauen und ihrer Kommunikationsfähigkeit hinsichtlich der Vertretung ihrer Interessen zu stärken.
Ein weiteres Ziel des Projektes ist die Vermittlung von Medienkompetenz (Medienkritik, Mediennutzung, Medienkunde, Mediengestaltung, vgl. Baacke) an sogenannte bildungsbenachteiligte Jugendliche. Diese werden durch die Arbeit im Projekt für die Risiken von Mediennutzung wie Suchtverhalten, Verlust von Privatsphäre und Datenschutz sensibilisiert. Auf diesem Wege sollen ihnen die Möglichkeiten und Chancen der Mediennutzung in der Mediengesellschaft vermittelt werden.
2. Zielgruppen
Das Projekt richtet sich an Auszubildende und junge Menschen im Übergang von Schule zu Beruf aus Berlin und Brandenburg. Wir wollen dabei mit unseren Angeboten gleichermaßen weibliche und männliche junge Erwachsene ansprechen und Jugendliche aus ländlichen und großstädtischen Regionen sowie aus Ost und West erreichen. Der Einbezug von jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund wird dabei immer konzeptionell mitbedacht.
3. Projektumsetzung
Folgende Seminarformate werden wir im Rahmen des Projektes anbieten, weitere werden im Verlauf des Projektes entwickelt:
Wie verändert sich unsere (Arbeits-) Gesellschaft durch die Globalisierung?
Das Seminar beleuchtet die Veränderungen der Arbeitsgesellschaft mit ihren Krisenerscheinungen und neuen Problemlagen. Gleichzeitig geht es darum, sich mit den Chancen und Perspektiven, die mit den Veränderungen verbunden sind, auseinander zu setzen. Die Teilnehmenden beschäftigen sich mit den folgenden Fragen: Warum betrifft mich die Globalisierung? Welche Rolle spielt mein Arbeitsplatz im (globalen) Kontext meines Unternehmens? Wie trete ich in Kontakt mit anderen, die die gleichen Interessen wie ich verfolgen?
Interessenvertretung in der Mediengesellschaft
Formen, Verfahren und Gruppen zur demokratischen Interessenvertretung sind Inhalt dieses Seminars. Die Teilnehmenden werden durch die Bearbeitung erfahrungsnaher Themen moti¬viert, eigene Standpunkte medial zu vermitteln. Möglichkeiten zur Herstellung von Öffentlichkeit für gemeinsam formulierte Interessen werden entwickelt und auch praktisch erprobt.
Digitale Medien kritisch beleuchtet
Das Seminar wirft einen kritischen Blick hinter die Kulissen der Medien. Medieninhalte und Medienpraxen verschiedener Medien(-systeme) werden vergleichend analysiert und Methoden der kritischen Rezeption geübt. Anhand aktueller Diskurse wird exemplarisch der Einfluss der Medien auf die Meinungsbildung beleuchtet und die Rolle der Medien in Gesellschaft und Politikvermittlung verdeutlicht.
Interessenvertretung grenzenlos
Im Rahmen von Azubi-Begegnungen arbeiten schwerpunktmäßig Auszubildende aus Deutschland und Polen, aber auch aus anderen Ländern innerhalb und außerhalb der EU zusammen. Hauptziele der Begegnung sind der Abbau von Vorurteilen, die Sensibilisierung gegenüber Stereotypen und das Erkennen gemeinsamer Interessen und Fähigkeiten sowie die Formulierung derselben. Zugleich begegnen sich Auszubildende verschiedener Nationalitäten heute bereits in ihrem Betrieb, gemeinsam werden darum Strategien entwickelt, Interessen in der Ausbildung zu vertreten. Im Verlauf der Seminare entwickeln die Teilnehmenden gemeinsam in Kleingruppen ein Medienprodukt in Form von Video, Podcast, Blog etc.. Um einen niedrigschwelligen Zugang der Auszubildenden zu den Projektinhalten zu ermöglichen, werden insbesondere deren Kommunikations-, Nutzungs- und Konsumgewohnheiten im Bereich der digitalen Medien in den Blick genommen.
4. KooperationspartnerInnen
Die Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein wird im Rahmen des Projektes mit überbetrieblichen Ausbildungsträgern, Oberstufenzentren und Berufsschulen in Berlin und Brandenburg kooperieren. Zu diesen zählen auch Einrichtungen, die eine besondere Förderung sozial benachteiligter Jugendlicher während ihrer Ausbildung gewährleisten. Wir erreichen so Jugendliche und junge Erwachsene in einer Vielzahl unterschiedlicher Ausbildungsgänge und Ausbildungssituationen. Das Entwicklungspolitische Initiativenzentrum (EPIZ) ist für die Jugendbildungsstätte ein wichtiger Partner im Austausch über das Themenfeld Globalisierung im Kontext der Bildungsarbeit mit Auszubildenden und ermöglicht zudem die Kontaktaufnahme mit Auszubildenden aus anderen Regionen der Welt. Im Kontext der betrieblichen Interessenvertretung kooperieren wir mit Gewerkschaften, Betriebsräten und Jugendauszubildendenvertretungen als Träger organisierter Mitbestimmung in der Arbeitswelt.
Die erfolgreiche Zusammenarbeit in der Projektgruppe „Modelle politischer Jugendbildung mit neuen Medien“ des AdB soll auch im neuen Projektzeitraum fortgeführt werden. Der gemeinsame Projektweblog unter www.projektwiese.de soll dabei mit anderen Tools und Plattformen des Web 2.0 vernetzt und noch stärker als bisher zum fachlichen Austausch sowie zur Projektpräsentation genutzt werden.